
Die europäische Verteidigungspolitik befindet sich in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat sich die sicherheitspolitische Grundannahme durchgesetzt, dass Verteidigungsfähigkeit und strategische Autonomie wieder zentrale staatliche Aufgaben sind. Der folgende Artikel untersucht die Auswirkungen dieses Richtungswechsels in der europäischen Sicherheitspolitik auf Investitionen, Kapitalmärkte und insbesondere nachhaltige Anlagestrategien.
Die neue Verteidigungspolitik in Europa: Rahmenbedingungen und Treiber
Nationale und internationale Initiativen
Auf nationaler Ebene haben zahlreiche EU-Mitgliedsstaaten ihre Verteidigungshaushalte deutlich erhöht oder entsprechende Mehrjahresprogramme aufgelegt. Die Bundesregierung hat mit dem Sondervermögen Bundeswehr ein beispielloses Investitionsprogramm geschaffen, dass durch eine Änderung des Grundgesetzes abgesichert wurde. Parallel dazu gewinnt die europäische Ebene an Bedeutung. Die EU-Kommision hat Verteidigung zu einem strategischen Schwerpunkt erklärt und betont, dass die EU ihre Verteidigungsfähigkeit stärken muss, um ihre Bürgerinnen und Bürger zu schützen und ihre Interessen und Werte zu verteidigen. Der European Defence Fund (EDF) mit Mitteln von rund 8 Mrd. Euro für gemeinsame Rüstungsprojekte ist nur ein Beleg dieser politischen Neuausrichtung.
Die Verteidigungsindustrie als strategischer Sektor
Die europäische Verteidigungsindustrie wird zunehmend als strategische Schlüsselindustrie verstanden. Die EU-Kommission hebt hervor, dass eine starke europäische Verteidigungsindustrie nicht nur für die Sicherheit von Bedeutung, sondern auch „ein Motor für Innovation, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum“ ist. Neben der klassischen Verteidigungsindustrie rücken Investitionen in den Bereichen Cyberabwehr, Raumfahrt, Drohnentechnologie, Künstliche Intelligenz und Dual-Use-Technologie in den Fokus.
Auswirkungen auf Kapitalmärkte und Investments
Wiederentdeckung des Verteidigungssektors durch Investoren
Rüstungsunternehmen werden zunehmend als Profiteure langfristiger staatlicher Nachfrage und stabiler Cashflows betrachtet. Die von der EU-Kommission angekündigten massiven Investitionen in die Verteidigungsindustrie – einschließlich des Ziels, die europäischen Verteidigungsausgaben zu koordinieren und gemeinsame Beschaffung zu fördern, stärken die Erwartung stabiler bzw. wachsender Auftragsbücher.
Institutionelle Investoren, insbesondere Pensionskassen, Versicherungen und Staatsfonds, evaluieren ihre Allokationen neu. Während einige Investoren weiterhin am vollständigen Ausschluss von Investitionen in der Verteidigungsbranche festhalten, differenzieren andere Ausschlusskataloge neuerdings stärker zwischen konventioneller Verteidigungstechnologie und kontroversen Waffen.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem in Absolut Report 02/2026 erschienenen Beitrag: Investitionen im europäischen Verteidigungssektor. Zum kompletten Beitrag: Absolut_Report_2026_02_Poellath
