
Volatile Märkte, komplexe Transaktionen und steigender Renditedruck zwingen Private-Equity-Investoren, potenzielle Investments noch gründlicher zu prüfen. KI schafft Transparenz über die Abläufe des Zielunternehmens und zeigt mögliche Wertsteigerungspotenziale auf.
Mehr als 80 % der Private-Equity-Fachleute gaben in unserer jüngsten Umfrage an, KI bereits regelmäßig in der Due Diligence einzusetzen oder ihren Einsatz zu erproben. Die Debatte dreht sich daher nicht mehr um das Ob, sondern darum, wie KI fundierte Investitionsentscheidungen und die Identifizierung von Wertsteigerungspotenzialen unterstützt – und wie sich Risiken angemessen steuern lassen.
Wo KI konkreten Mehrwert schafft
In einer Due Diligence müssen große Datenmengen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen ausgewertet werden – von rechtlichen und operativen bis hin zu kommerziellen, finanziellen und technologischen Informationen. KI-Tools können Tausende Dokumente wie PDFs, Tabellen, E-Mails oder Bilder in kurzer Zeit verarbeiten und relevante Inhalte extrahieren.
Wissensgraphen und Datenanalysen machen Zusammenhänge in umfangreichen Datensätzen sichtbar. KI erleichtert zudem die bereichsübergreifende Suche: So kann ein Beschaffungsteam binnen Sekunden einen relevanten Lieferantenvertrag aufrufen.
KI kann in der Due-Diligence-Phase sowohl zur Wertsteigerung als auch zur Wertsicherung beitragen. In unserer Umfrage bewerteten 31 % Markt- und operative Erkenntnisse als erfolgreichsten KI-Anwendungsfall; 26 % nannten Prognosemodelle und Szenarioanalysen. Jeder fünfte Befragte verwies zudem auf Betrugs- und Anomalieerkennung sowie die Überwachung regulatorischer Anforderungen und der Compliance.
KI-Risiken und menschliches Urteilsvermögen
Um die Vorteile von KI verantwortungsvoll zu nutzen, braucht es an den entscheidenden Stellen jedes Prozessschritts menschliche Kontrolle und klare Verantwortlichkeiten.
Mit der schnellen Verarbeitung großer Datenmengen verlagert sich der Engpass auf die Qualität und Verlässlichkeit der Ergebnisse. Unzureichende Vorbereitung, ungeeignete Prompts oder eine unkritische Übernahme der Resultate können ein fehlerhaftes Bild des Unternehmens erzeugen und finanzielle oder operative Fehlentscheidungen begünstigen.
Due-Diligence-Teams benötigen daher technisches Know-how für den sachgerechten Einsatz der Tools, kritisches Denkvermögen sowie operative und branchenspezifische Expertise. Die letztendliche Verantwortung verbleibt beim Menschen.
Bei komplexen Transaktionen ist die Datenerhebung nur ein Teil der Aufgabe. Ebenso wichtig sind die Identifizierung verborgener Risiken, die Entwicklung von Wertsteigerungsplänen und detaillierte Analysen. Expertenteams müssen die Qualität der KI-Ergebnisse bewerten sowie Muster und Abhängigkeiten über verschiedene Arbeitsströme hinweg erkennen. Praktische Umsetzungserfahrung bleibt unverzichtbar.
Fazit
KI erweitert den Umfang der Due Diligence, unterstützt integrierte Prüfungen und liefert wertvolle Analysen bei komplexen Transaktionen. Zugleich unterstreicht die Fülle schnell verfügbarer Ergebnisse die Bedeutung menschlicher Kontrolle. Gerade in kritischen Situationen ist das Urteilsvermögen erfahrener Fachleute wichtiger denn je.
Zum Autor:
Till Prinz ist Managing Director im Bereich Private Equity Performance Improvement von Alvarez & Marsal in Deutschland. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der operativen Leistungssteigerung, bei Turnaround-Projekten und Restrukturierungsprogrammen. Seine Schwerpunkte liegen auf der Umsetzung von Performance-Improvement-Programmen für Private-Equity-Unternehmen sowie im Interim Management.
Till Prinz hat Kunden aus zahlreichen Branchen beraten, darunter Einzelhandel, Mode, Unterhaltung, verarbeitende Industrie, Verpackung, Maschinen- und Anlagenbau, Stahlindustrie, Chemie, Marketing und Telekommunikation.
