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Warum Infrastrukturinvestitionen an Bedeutung gewinnen
Deutschland und viele andere europäische Staaten stehen vor einem enormen Investitionsbedarf. Verkehrswege, Energieversorgung, digitale Infrastruktur sowie kommunale Einrichtungen müssen modernisiert und ausgebaut werden. Öffentliche Finanzierungsmittel allein reichen dafür nicht aus. Deshalb rücken institutionelle Investoren wie Versorgungswerke, Pensionskassen, Versicherungen und Banken stärker in den Fokus.
Infrastrukturinvestitionen erfolgen häufig über Fondsstrukturen. Diese bündeln Kapital zahlreicher Anleger und ermöglichen so den Zugang zu großen Projekten. Gleichzeitig müssen Fondsmanager komplexe aufsichtsrechtliche und steuerliche Anforderungen berücksichtigen.
Das deutsche Sondervermögen gewinnt an Attraktivität
Besondere Aufmerksamkeit erhält das deutsche Sondervermögen durch die jüngsten Entwicklungen im Investmentsteuerrecht. Als vertragliche Fondsstruktur kann es dazu beitragen, steuerliche und regulatorische Anforderungen bestimmter Investoren besser abzubilden. Für Fondsmanager eröffnet es neue Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere bei grenzüberschreitenden Anlegerstrukturen und bei Investitionen in Infrastrukturprojekte, die häufig unterschiedliche Investoreninteressen bündeln müssen.
Besonders relevant ist die steuerliche Einordnung. Anleger erwarten steuerliche Neutralität, d.h. die Bündelung in einem Fonds darf keine zusätzliche Steuerbelastung auslösen. Außerdem möchten ausländische Investoren vermeiden, allein durch ihre Fondsbeteiligung in einem anderen Land steuererklärungspflichtig zu werden. Hier schaffen die jüngsten gesetzlichen Anpassungen neue Strukturierungsmöglichkeiten und erhöhen die Attraktivität deutscher Fondsstrukturen.
Infrastrukturquote schafft neue Investitionsspielräume
Für Versorgungswerke und Pensionskassen wurde eine eigenständige Infrastrukturquote eingeführt. Sie ermöglicht es, bis zu 5% des Sicherungsvermögens spezifisch für Infrastrukturinvestitionen vorzusehen. Dadurch werden die anderen Mischungsquoten entlastet, die bei vielen Investoren bereits weitgehend ausgeschöpft sind. Gleichzeitig bleiben einige praktische Fragen noch offen, etwa zur Anwendung der bundesrechtlichen Infrastrukturquote im für Versorgungswerke maßgeblichen Landesrecht und zur Anrechnung einzelner Infrastrukturinvestments innerhalb gemischter Fondsportfolios. Zu Letzterem werden weitere Konkretisierungen der Aufsicht durch das überarbeitete Kapitalanlagerundschreiben erwartet.
Mehr als Equity – Die gewachsene Rolle von Infrastructure Debt
Infrastrukturfinanzierung beschränkt sich längst nicht mehr auf klassische Eigenkapitalinvestitionen. Fondsmanager nutzen inzwischen ein breites Spektrum von Finanzierungsinstrumenten. Dieses reicht von Senior Debt über Mezzanine-Kapital und Hybridkapital bis hin zu klassischen Equity-Beteiligungen.
Für Investoren hat sich ein breites Spektrum an Möglichkeiten entwickelt, Risiko- und Renditeprofile gezielter zu steuern. Besonders Hybridstrukturen gewinnen an Bedeutung. Sie kombinieren Eigenschaften von Eigen- und Fremdkapital und erlauben eine flexible Ausgestaltung von Rendite, Besicherung und Einflussrechten. Dadurch entstehen maßgeschneiderte Lösungen für unterschiedliche Anlegerbedürfnisse.
Regulatorische Erleichterungen für Versicherungen und Banken
Auch auf europäischer Ebene entstehen neue Anreize für Infrastrukturfinanzierungen. Versicherungen und Banken können im Rahmen von qualifizierten Infrastrukturinvestitionen und Versicherungen zusätzlich bei langfristigen Aktieninvestitionen von reduzierten Kapitalanforderungen profitieren. Darüber hinaus gewinnen Investitionen zusammen mit staatlichen Programmen an Bedeutung. Sie ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Entlastungen im Hinblick auf die Kapitalanforderungen.
Für institutionelle Anleger werden Infrastrukturengagements dadurch wirtschaftlich attraktiver. Voraussetzung bleibt jedoch, dass die jeweiligen Projekte und Fondsstrukturen die regulatorischen Anforderungen erfüllen und die erforderlichen Daten für die aufsichtsrechtliche Bewertung verfügbar sind.
Offene Infrastrukturfonds und professionelles Liquiditätsmanagement
Parallel wächst die Nachfrage nach semi-liquiden Fonds, insbesondere Evergreen-Fonds und offenen Infrastrukturfonds. Diese sollen Anlegern regelmäßige Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten bieten, obwohl die zugrunde liegenden Infrastrukturinvestitionen selbst langfristig und wenig liquide sind.
Neue Vorgaben zum Liquiditätsmanagement stärken die Stabilität solcher Fonds. Fondsmanager müssen geeignete Instrumente einsetzen, um Rückgaben zu steuern und Liquiditätsrisiken frühzeitig zu erkennen. Für Investoren gewinnt deshalb die Prüfung des Liquiditätskonzepts eines Fonds zunehmend an Bedeutung.
Fazit
Der regulatorische Rahmen für Infrastrukturfonds entwickelt sich derzeit spürbar weiter. Neue Fondsstrukturen, die Einführung der Infrastrukturquote, attraktivere Kapitalanforderungen und neue Liquiditätsregeln für offene Fonds schaffen zusätzliche Investitionsanreize. Für institutionelle Investoren eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, langfristiges Kapital effizient in Infrastrukturprojekte zu lenken und gleichzeitig regulatorische Anforderungen besser zu erfüllen.
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Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Munich Private Equity Training (MUPET) am 25. Juni 2026 in München. Weitere ausgewählte Beiträge zur MUPET 2026 finden Sie auch in unserem MUPET-Archiv. Sie wollen mehr zum Veranstaltungsformat erfahren? Besuchen Sie unsere MUPET-Themenseite.
